Leadership ist weder ein Rang noch ein Titel. 

Servant Leadership

19 Kernkompetenzen für Führung auf Augenhöhe
 
Servant Leders sind demütige, authentische und aufrichtige Charaktere. Mit Empathie und der Fähigkeit, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, kümmern sie sich um das Wachstum und den Erfolg ihrer Mitmenschen. Auf ihrer Mission zeigen Servant Leaders Initiative und geben allen Beteiligten Orientierung und Halt. Sie führen nicht durch Ausübung von Macht, sondern durch Ermächtigung und Richtungsweisung. Sie sind sich bewusst, dass sie nicht alles wissen können; und das auch nicht müssen. Um leistungsfähig und gesund zu bleiben, üben sich Servant Leaders in Selbstachtung.

Arbeit ist etwas, das Servant Leaders persönlich stärkt und nicht schwächt. Diesen Zustand wollen sie auch für ihre Mitmenschen erreichen.
 

Leadership ist ein Entscheid. 
Ein Entscheid sich um das Wachstum und den Erfolg von Mitmenschen zu kümmern.

Die Servant Leadership Map zum Mitnehmen

Der Quickguide

Die Servant Leadership Map im Überblick

Der Selbststest

Ein spielerischer Einstieg ins Thema

Das Poster

Die 19 Kompetenzen im Detail

Bereit, einzutauchen?

Im Folgenden stellen wir dir die Kernkompetenzen gerne noch etwas genauer vor. Und du findest über 100 Links auf weiterführende Inhalte, die wir in all den Jahren gesammelt und auch weiterhin für die Servant Leadership Map kuratieren.

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Charakterstärke

Fünf unverkennbare Charakterzüge bilden die Basis von Servant Leadership

Authentisch sein


«Es gibt keinen guten Grund,
nicht sich selbst zu sein» 


Servant Leaders sind echt. Sie drücken sich auf eine Art und Weise aus, die mit ihren inneren Gedanken und Gefühlen übereinstimmt. Sie sprechen für sich und nicht für andere. Servant Leaders dürfen sich selbst sein. Sie sind im Job der gleiche Mensch, wie sie es auch in ihrer Freizeit sind. Das spart Energie und ist eine Voraussetzung für vertrauensvolle Beziehungen. Sie zeigen Gefühle, auch wenn es weh tun könnte. Sie vergleichen sich nicht mit anderen. Vorbilder dienen ihnen ausschliesslich zur Inspiration und nicht zur Imitation.

Demütig sein


«Demut ist die Fähigkeit, auch zu den kleinsten Dingen des Lebens emporzusehen»
Albert Schweizer

Servant Leaders sind bescheiden und demütig. Sie sind voller Achtung und Respekt gegenüber anderen Menschen und ihrer Umwelt. Sie wissen, dass sie beruflich nur durch und mit anderen erfolgreich sein können. Servant Leaders wissen, dass sie nicht alles beeinflussen und schon gar nicht erst unter Kontrolle halten können. Dinge, die sie nicht ändern können, nehmen sie an und versuchen das Beste daraus zu machen.

Empathisch sein


«Empathie heisst die Echos einer anderen Person in sich selbst wiederzufinden»
Mohsin Hamid

Servant Leaders können sich in die Lage einer anderen Person versetzen. Sie könne dadurch die Position / Situation des Gegenübers besser verstehen und nachvollziehen.

Aufrichtig sein


«Alle Meinungen sind achtenswert,
wenn sie aufrichtig sind»
Jean-Paul Sartre

Servant Leaders sind ehrlich – zu anderen sowie auch zu sich selbst. Ihren Aussagen kann Glauben geschenkt werden. Sie bleiben sowohl ihren eigenen sowie den Werten der Gemeinschaft treu.

Mutig sein


«Mut steht am Anfang des Handelns,
Glück am Ende»
Demokrit

Servant Leaders sind willensstark und wagen es Risiken einzugehen. Sie sind neugierig und wollen Dinge ausprobieren. Ihre Entschlossenheit setzen sie jedoch nicht für egozentrische Zwecke ein, sondern um gemeinsame Ergebnisse zu schaffen. Servant Leaders verwandeln ihren Mut in couragiertes Handeln.

Dienen hat nichts mit Bedienen zu tun

Servant Leaders dienen dem Wachstum und Wohlergehen von Mensch, Gesellschaft und Natur

Menschen wertschätzen und vertrauen


«Wertschätzung ist eine der schönsten Formen von Anerkennung»
Ernst Ferstl

Servant Leaders wertschätzen Menschen für das was sind und nicht nur für das, was sie für die Gemeinschaft tun. Sie gehen respektvoll mit ihren Mitmenschen um. Servant Leaders verfolgen ein positives Menschenbild (Theory Y). Sie geben allen Menschen einen bedingungslosen Vertrauensvorschuss.

Aktiv hinhören


«Das grosse Geheimnis des Erfolgs ist genau hinzuhören, was gesagt wurde, und auf das zu antworten, was gemeint wurde»
Benjamin Franklin

Servant Leaders achten sehr genau auf das, was gesagt und nicht gesagt wird. Sie hören ihren Mitmenschen genau zu und nehmen sich Zeit, um über das Gehörte nachzudenken.

Beziehungen aufbauen


«Im Grunde sind es doch die Beziehungen zu den Menschen, welche dem Leben sein Wert geben»
Wilhelm von Humboldt

Servant Leaders bemühen sich aufrichtig darum, andere Menschen kennen, verstehen und unterstützen zu wollen. Sie bauen langfristige Beziehungen zu den Menschen auf, mit denen sie unmittelbar zusammenarbeiten.

Menschen begleiten


«Nicht am Ziel wird der Mensch gross, sondern auf dem Weg dorthin»
Ralph Waldo Emerson

Servant Leaders haben ein echtes Interesse und Verantwortungsbewusstsein, sich um das Wohlergehen jener Menschen zu kümmern, die sie umgeben. Sie setzen das Wohlergehen eines Einzelnen über das Wohlergehen der Organisation. Servant Leaders begleiten Menschen auf deren Weg, egal wie steinig dieser sein mag. Sie wissen aber auch, dass sie keine Heiler, Psychologen oder Psychiater sind. Wenn es die Situation erfordert, holen sie deshalb professionelle Unterstützung dazu.

Menschen befähigen


«Die Zeit verändert Menschen. Situationen verändern Menschen. Aber am meisten verändern Menschen Menschen»

Servant Leaders bemühen sich um die Wachstumsmöglichkeiten ihrer Mitmenschen, so dass diese etwas Bestimmtes können, wollen und auch tun dürfen. Dazu vermitteln sie aktiv Ihr eigenes Wissen, unterstützen beim Erwerb von persönlichen Kompetenzen und fördern die Delegation von organisationalen Kompetenzen.

Menschen wachsen und erfolgreich sein lassen


«Nichts macht erfolgreicher als andere erfolgreich zu machen»
Albert Schweizer

Servant Leaders gönnen anderen Menschen nicht nur den persönlichen Erfolg, sondern setzen alles daran, diesen überhaupt möglich zu machen. Sie können zurückstehen, sich einreihen und die notwendige Unterstützung und Anerkennung jenen zukommen lassen, die es konkret verdient haben.

Lead by example

Servant Leaders gehen voran, geben Orientierung und fördern die Eigenverantwortung ihrer Mitmenschen

Initiative zeigen


Without initiative, Leaders are simply workers in leadership positions»

Servant Leaders wollen die Gemeinschaft vorwärtsbringen. Sie besitzen eine gesunde Risikobereitschaft. Sie sind neugierig und entschlossen neue Dinge auszuprobieren.

Orientierung und Richtung geben


Halt geben können uns in erster Linie jene, die viel von uns halten»
Ernst Ferstl

Servant Leaders sind in der Lage, anderen Menschen den Sinn der Gemeinschaft und den Zweck ihrer Mission zu vermitteln. Auf wohlwollende Art stellen sie sicher, dass die Menschen jederzeit wissen, was ihr Beitrag an die Gemeinschaft ist. Gerade in Zeiten der Veränderung entwickeln Menschen ein grosses Bedürfnis für einen „Reiseführer“. Dabei muss ein Servant Leader nicht zwingend auch ein Visionär sein. Visionen entwickeln ist zunehmend ein Prozess, der in der Gruppe gemeinsam stattfindet. Servant Leaders geben diesem Prozess den notwendigen Raum.

Eigenverantwortung fördern


«Freiheit heisst Verantwortung. Das ist der Grund, warum viele Menschen sich vor ihr fürchten»
George Bernard Shaw

Servant Leaders verhätscheln niemanden. Sie verfolgen das Prinzip, andere Menschen (als auch sich selbst) für das verantwortlich zu halten, was sie selbstständig steuern bzw. beeinflussen können. Servant Leaders geben anderen keine Ziele vor, dann das untergräbt ihr Streben nach Eigenverantwortung. Sie kommunizieren jedoch ihre Erwartungshaltung klar und deutlich und geben regelmässig Feedback.

Denken ist weiterhin erlaubt

Servant Leaders sind in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und ständig dazuzulernen
Systemisch denken und handeln

«Handle stehts so, dass weitere Möglichkeiten entstehen»
Hein von Foerster

Servant Leaders versuchen, Situationen aus einer ganzheitlichen Optik (inhaltlich, sozial, zeitlich) und aus verschiedenen Blickwinkeln (Mensch, Gemeinschaft, Gesamtsystem) zu erfassen. Sie machen sich über direkte als auch indirekte Beziehungen und Wechselwirkungen Gedanken. Mittels systemischen Fragestellungen und Beobachtungen versuchen sie sinnvolles Handeln abzuleiten.

Lernen wollen


«Never stop learning, because life never stops teaching»

Servant Leaders lernen ein Leben lang. Sie wissen, dass sie nicht alles wissen. Sie sind bereit, aus allen Richtungen zu lernen; dazu gehört auch das Lernen von Menschen, die in der Organisationshierarchie unter ihnen stehen. Sie suchen aktiv nach Lerngelegenheiten und verlassen bewusst ihre Komfortzone. Sie sind nicht auf ein einzelnes Lernfeld fokussiert. Für Servant Leaders ist es nie zu spät, etwas Neues zu starten, neue Erfahrungen zu sammeln. Sie betrachten auch Feedback als Lernchance.

Körper, Geist und Seele in Einklang bringen

Servant Leaders kümmern sich aktiv um ihr eigenes Wohlergehen, damit sie langfristig leistungsfähig und gesund bleiben

Reflektiert sein


«Ein Kopf ist, der viel Verstand - das heisst Auffassung, Abstraktion und Reflektion - hat»
Immanuel Kant

Servant Leaders sind fähig, über sich selbst nachzudenken. Sie analysieren und hinterfragen ihr Fühlen, Denken und Handeln; als Individuum sowie als Teil der Gemeinschaft. Sie schaffen damit Bewusstsein für die momentane Situation sowie Ruhe und Vertrauen für das eigenen Handeln.

Selbstachtung pflegen


«Die Achtung anderer zu verlieren ist schmerzlich, die vor sich selbst tödlich»

Servant Leaders bringen die gleiche Fürsorge für sich selbst auf, wie sie sie auch für ihre Mitmenschen aufbringen. Dazu gehört ein solides Selbstwertgefühl und ein gesundes Selbstvertrauen. Sie gehen achtsam mit sich selbst um und kümmern sich um die Gesundheit von Körper, Geist und Seele.

Sinnerfüllt sein


Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen»
Viktor Frankl

Servant Leaders betrachten Arbeit nicht nur als etwas, das es zu tun gibt. Sie erkennen ihren Wertbeitrag an die Gemeinschaft und finden darin Sinnhaftigkeit und Motivation. Arbeit soll ein Teil davon sein, wofür es sich zu leben lohnt. Die Japaner nennen dies ihr „Ikigai“.

Noch mehr zum Entdecken

Unsere kuratierte Sammlung an Links auf Inhalte von Dritten

Charakter

Authentisch sein
Demütig sein

Empathisch sein

Aufrichtig sein

Mutig sein

Dienen

Menschen wertschätzen und vertrauen
Aktiv hinhören

Beziehungen aufbauen

Menschen begleiten

Menschen befähigen

Menschen wachsen und erfolgreich sein lassen


Hintergründe

Die Servant Leadership Map ist im Rahmen der Masterthesis "Servant Leadership - Benötigte Kernkompetenzen und organisationale Rahmenbedingungen für Führung auf Augenhöhe" von Patrick Schwab, Co-Founder und Coach bei Flavum, im Jahr 2021 entstanden

Ursprung und Grundverständnis

«Dieser unscheinbare Mann hatte etwas so Gefälliges, unaufdringlich Gewinnendes an sich, dass wir alle ihn liebten. Er tat seine Arbeit fröhlich, sang oder pfiff meistens vor sich hin, war nie zu sehen, als wenn man ihn brauchte, ein idealer Diener.» 

Die Erzählung von Herman Hesse im Buch „Die Morgenlandfahrt“ über Leo, ein Diener aber gleichzeitig auch der heimliche Anführer einer fiktiven Organisation, war die Inspirationsquelle für Robert L. Greenleaf, der in den späten Siebzigerjahren mit seinem Buch «Servant Leadership: A Journey Into the Nature of Legitimate Power and Greatness» den Ansatz einer dienenden Führung erstmals beschrieben hat.

Während sich traditionelle (herrschende) Führung - damals wie heute - oft durch Anhäufung und Ausübung von Macht durch einen an der «Spitze der Pyramide» auszeichnet, ist dienende Führung anders: Der Servant Leader teilt die Macht, stellt die Bedürfnisse der anderen an erste Stelle und unterstütz Menschen darin, sich bestmöglich zu entwickeln und persönliche Höchstleistungen zu erbringen.

Im Sog der digitalen Transformation

Die fortschreitende digitale Transformation führt in allen Wirtschaftszweigen dieser Welt zu tiefgreifenden Veränderungen. Um als Unternehmen positiv oder gar pro-aktiv auf diesen Veränderungsprozess einwirken zu können, muss eine Organisationskultur geschaffen werden, die sich selbst als auch die erschaffenen Produkte und Dienstleistungen rasch an neue Gegebenheiten anpassen kann. In vielen Organisationen hat sich das agile Arbeiten in cross-funktionalen Produkteteams mit geteilter Verantwortung etabliert. Solche Arbeitsmethoden bringen meist eine neues Führungsverständnis mit. Beispielsweise kennt die weitverbreitete Methodik Scrum nur noch Rollen aber keinen klassischen Vorgesetzten mehr.

Anstelle hierarchischer Führung nach «Command and Control» setzten agile Arbeitsweisen auf dezentrale und selbstorganisierte Führungs- und Entscheidungskompetenzen. Alle dienen jedoch ein und derselben Sache. Spotify, weltweit grösster Audio-Streaming-Dienst nennt diese Arbeitsweise «Aligned Autonomy» (Mankins & Garton, 2017). Mitarbeitende begegnen sich dabei auf Augenhöhe (Musterbrecher, 2017) und verfolgen kollegial den Zweck bzw. die gemeinsame Zielsetzung der Unternehmung (Oesterreich & Schröder, 2017).

Auch immer mehr wissenschaftliche Publikationen (wie bspw. Kohntopp & McCann 2018) kommen zum Schluss, dass «Servant Leadership als erfolgversprechendste Führungsphilosophie der Gegenwart» gilt.

Aktueller Stand der Wissenschaft

Wissenschaftlich gesehen ist Servant Leadership zwar ein aufkeimender, aber doch noch relativ junger Forschungsbereich. Eine der grössten Herausforderungen im Forschungsfeld von Servant Leadership ist, dass bis heute keine allgemeingültige Definition existiert. Und auch in vielen Arbeitsmethoden werden typische Verhaltensweisen dienender Führung gefordert, aber ein grundlegendes, in der Praxis anerkanntes und breit abgestütztes Modell fehlt.

Als umfassendste Skizzierung eines Servant Leaders werden gegenwärtig die Studienresultate von Gary E. Roberts und Diane Hess-Hernandez der Regent Universität in Virginia USA anerkannt. Die beiden Wissenschaftler haben 29 Studien analysiert, welche sich konzeptionell oder praktisch mit Servant Leadership auseinandersetzen und daraus ein umfassendes Rahmenwerk erstellt. Dieses Rahmenwerk wurde als Grundlage für das Servant Leadership Kernkompetenzmodell nach Patrick Schwab verwendet.

Zu guter Letzt

Die 19 Kompetenzen bilden den Kern von Servant Leadership und nicht dessen Fülle. Je nach Rolle oder Kontext sind zusätzliche Kompetenzen von Relevanz. Wer hierzu bereits Artefakte erarbeitet hat und diese gerne teilen würde darf sich gerne melden. Man hat nie ausgelernt...